Geschichte und Konzept

 

Auf Initiative des Sozialpsychiatrischen Dienstes Lahr wurde Anfang 2004
„das Atelier – Selbsthilfeprojekt von Menschen mit und ohne Psychiatrie-Erfahrung“ ins Leben gerufen.

Die Erfahrung der professionell psychiatrisch Tätigen zeigt, dass Menschen mit psychischen Handicaps oft künstlerische Medien nutzen, um ihren eigenen Lebenswelten Ausdruck zu verleihen. Nicht ohne Grund wird deshalb kreatives Schaffen als Therapie genutzt, um mit den Betroffenen an ihren Lebensgeschichten zu arbeiten. Mit dem hier vorgestellten Projekt wird jedoch nicht ein dezidiert therapeutisches Konzept verfolgt, vielmehr sollten über das Angebot eines offenen Ateliers die Selbstorganisations- und Selbsthilfepotentiale der NutzerInnen gefördert werden. Die TeilnehmerInnen übernahmen von Beginn an selbst die Verantwortung für das Projekt. Dieses bietet Möglichkeiten und Räume für freies künstlerisches Arbeiten sowie die Möglichkeit, die Kunstwerke zu präsentieren und zu vermarkten. Schöpferische Tätigkeit steht gleichwertig neben dem Aufbau und der Entwicklung von tragfähigen Kontakten, Beziehungen und Netzwerken. Durch das kreative Arbeiten und den Austausch mit anderen können neue Erfahrungen gemacht und verlorenes (Selbst-) Vertrauen wieder erlangt werden. Insofern hat dieses Projekt, ohne als Therapie definiert zu sein, dennoch therapeutische Wirkungen.

Die ersten Jahre über begleiteten zwei frei schaffende Künstler das Atelier mit ihren Erfahrungen. Sie organisierten Material, waren da als Ansprechpartner für künstlerische und technische Fragen und konnten wertvolle Unterstützung für das Präsentieren der Werke geben. Inzwischen ist dafür nur noch eine Person zuständig. Für diese kontinuierliche Begleitung wird vom Förderverein „die Brücke“ (Link) eine monatliche Aufwandsentschädigung bezahlt. Außerdem übernimmt „die Brücke“ die Kosten für das Ateliermaterial sowie die Öffentlichkeitsarbeit (z.B. Ausstellungen). Eine weitere Unterstützung erfährt das Atelier durch die kostenfreie Überlassung von Kellerräumen der Psychologischen Beratungsstelle. Schließlich fungiert ein Mitarbeiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes als Ansprechpartner, Supervisor und Coach für das Projekt.

Gestartet ist das Atelier im Februar 2004 mit einem halben Dutzend Interessierten, im Laufe der Jahre hat sich die Teilnehmerzahl auf über 20 Menschen vergrößert, von denen rund zehn regelmäßig an den beiden offenen Nachmittagen anwesend sind. Die Teilnahme ist für alle kostenlos. Finanziert wird das Projekt von der „Brücke“, von Spenden, Einnahmen durch öffentliche Veranstaltungen sowie von Vermietung von Kunstwerken.

Von Beginn an war es den TeilnehmerInnen wichtig, das Projekt und die Kunstwerke der Öffentlichkeit zu präsentieren. So wurde schon im ersten Jahr eine Ausstellung in den Räumen der Psychologischen Beratungsstelle organisiert. Mit den Jahren erweiterte sich der Radius der Ausstellungsorte über Lahr, die Region, das Land bis ins europäische Ausland (s. Auflistung der Ausstellungen).

Auch die Vernetzung mit anderen Outsider Art-Projekten wurde kontinuierlich weiter entwickelt. Es wurden Kontakte geknüpft zum Museum der Sammlung Prinzhorn in Heidelberg und zu ähnlichen Projekten in Freiburg, Zürich und Florenz.

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